Thriller und Mystery

Düster, atmosphärisch, aber manchmal vorhersehbar

15 SEKUNDEN

Band 1 der „Wase-Rahimi“-Reihe

Thriller

Rezensionsexemplar – eBook

Auf einer nächtlichen Fahrt durch den dunklen Wald von Eppendorf stürzt plötzlich ein Mann direkt vor ihren Wagen. Der Aufprall zertrümmert die Windschutzscheibe, und für einen Augenblick scheint die Zeit stillzustehen. Doch dann geschieht das Unfassbare: Das vermeintliche Opfer rappelt sich auf, verschwindet in der Dunkelheit und läuft einfach weiter. Benommen und schockiert folgt Farah dem Mann in die Finsternis, ohne zu ahnen, dass sie damit eine Kette von Ereignissen in Gang setzt, die ihr Leben für immer verändern wird. Sie ist nicht allein in diesem Wald. Eine weitere Gestalt streift durch die Nacht, und die Grenzen zwischen Opfer und Täter verschwimmen zunehmend. Während Farah versucht, das Rätsel zu lösen, wächst die Spannung stetig, denn in diesem dunklen, einsamen Wald lauert mehr, als man auf den ersten Blick sieht.

Als großer Thriller-Fan hatte ich große Erwartungen an „15 Sekunden“, denn der Klappentext und das Cover versprachen eine spannende, düstere Geschichte voller Nervenkitzel. Der Einstieg war vielversprechend: Ein nächtlicher Wald, ein Mann, der direkt vor Farahs Wagen läuft, und eine Szene, die sofort für Spannung sorgt. Leider zog sich die Handlung im Verlauf deutlich in die Länge, und der anfängliche Nervenkitzel wurde immer wieder durch die Fokussierung auf die Ermittlungsarbeit ersetzt.

Der Beginn war wirklich packend, doch die Story verlor schnell an Tempo. Das Hauptaugenmerk liegt stark auf den polizeilichen Ermittlungen, was zwar interessant ist, aber für einen Thriller zu wenig psychologische Tiefe bietet. Die Perspektivwechsel zwischen Farah und den Ermittlern sind zwar gut umgesetzt, doch fehlte mir oft der Einblick in die Gedankenwelt des Täters. Gerade dieser Aspekt ist für mich ein entscheidendes Merkmal eines guten Thrillers, und hier hätte ich mir mehr Tiefe gewünscht.

Zudem empfand ich die Vielzahl an Figuren als etwas verwirrend. Viele Nebencharaktere tauchen nur kurz auf oder haben kaum Relevanz für die eigentliche Handlung, was den Lesefluss manchmal stört. Auch die Spannungskurve ist eher flach geblieben, und die Wendungen waren für meinen Geschmack vorhersehbar. Besonders die Szenen im Obduktionssaal waren gut geschrieben, doch insgesamt konnte mich die Geschichte nicht dauerhaft fesseln.

Was mir gefallen hat, sind die emotionalen Momente, wie etwa die Szene, in der Wase Rahimi die Todesnachricht an einen Vater überbringt. Diese Stellen zeigen, dass Warnat auch gefühlvolle Töne anschlagen kann. Dennoch bleibt das Gefühl, dass hier noch viel Potenzial ungenutzt blieb. Die Figuren wirken teils blass, Farah erschien mir etwas zu naiv, und bei Wase Rahimi wurde nur wenig von seiner Vergangenheit erzählt.

Das Cover ist ansprechend und passt gut zum düsteren Ton der Geschichte. Die Erzählung erfolgt in erster und dritter Person, was den Lesefluss angenehm gestaltet. Der Prolog war spannend und machte Lust auf mehr, doch die Geschichte zog sich zäh in die Länge, und der Funke sprang nicht immer über.

Für mich ist „15 Sekunden“ ein solider Thriller, der zwar einige spannende Momente bietet, aber insgesamt nicht ganz an das hohe Niveau herankommt, das ich von der Autorin, Chris Warnat erwartet hatte.

15 SEKUNDEN

Erscheinungsdatum: 01. Mai 2025

Autor: Chris Warnat

Verlag: Penguin Random House

Seitenanzahl: 448 (Printausgabe)

EAN: 9783641318383

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